Jetzt doch ne SONY Walkman Kamera… ;-)

Einserseits fällt es mir schwer das hier zu schreiben, andererseits bin ich immer noch Ex-Profi genug, um eher praktisch/rational und weniger emotional zu denken. Warum diese verschwurbelte Einleitung? Ich hab’s getan und bin zur Walkman Marke gewechselt.

Um es gleich vorweg zu nehmen – es geht nicht um das Sensorformat KB oder neudeutsch Vollformat (was für ein blödes Wort!). Es geht wie so oft bei mir eher um die bestmögliche Bedienbarkeit aber auch Objektive. Und ich hätte es vor einigen Jahren schlichtweg für unmöglich gehalten, dass ausgerechnet Sony irgendwann DIE individuell konfigurierbare Kamera und die passenden Objektive für mich baut. Aber ja ich muss Sony zugestehen, dass sie insbesondere in den letzten 2 Jahren enorme Fortschritte in allen Bereichen der Fotografie gemacht haben.

Wenn man sich das Objektivportfolio anguckt, merkt man auch, dass sie es wirklich ernst meinen. Ein 400m f2.8 und 600mm f4 konstruiert man nicht einfach so, weil es gerade freie Kapazitäten in der F&E Abteilung gibt und die Entwickler Lust darauf hatten. Das wagt man nur, wenn man es wirklich ernst meint die Profis bedienen und sich zu einer seriösen Kameramarke entwickeln zu wollen. Ja das mag sich arrogant anhören, aber bis vor 2-3 Jahren habe ich Sony -wie viele andere auch- nicht als ernsthafte Profimarke wie Canon oder Nikon betrachtet. Es fehlte neben der Historie eben auch dieses klare Bekenntnis. Das ist aus meiner Sicht jetzt da und die Innovationskraft im Bereich des AF muss man einfach anerkennen. Derzeit gibt es kein spiegelloses System, welches Sony das Wasser reichen kann – wenn es um den AFC Algorithmus geht. Sony hat es geschafft, die Spiegellosen auf das DSLR Niveau einer Nikon D500 zu bringen. Auch die Gesichts- und Augenerkennung funktioniert unfassbar gut.

Warum ich (jetzt auch) ?

Die Ursprungsüberlegung überhaupt über den Zaun zu gucken, war letztlich in dem Unwillen Fujis begründet mal den langen Telebereich im Objektivportfolio in Angriff zu nehmen und ich immer mehr Wildlife fotografiere. Und hierfür sind lange Brennweiten einfach unerlässlich. Aktuell ist beim XF 100-400 f4.5-5.6 also bei etwas pan 600mm KB Ende der Fahnenstange. Ja man kann beide Konverter (x1,4 & x2) damit verwenden und die Ergebnisse sind sogar ganz gut, allerdings gilt das nur für Florida und nicht für Mitteleuropa. Blende f8 beim TC 1.4x oder gar f11 beim TC 2x in Kombination mit mindestens einer 1/1000, führen in unseren Breiten rapido zu ISO 6400 oder eher ISO 12800. Kann man bei APS-C machen, muss man aber nicht mögen – auch wenn ich nachwievor keine Angst vor Rauschen habe. Aber der Schärfeeindruck leidet gerade bei Wildlife mit feinem Gefieder etc. doch sehr.

Also ging die Suche nach mehr Brennweite mit noch erträglicher Blende los. Das kürzlich vorgestellte Sony 200-600 f5.6-6.3 war schon auf dem Radar aber leider noch nicht erhältlich. Schnell bin ich dann beim Preis-/Leistungssieger Nikon 200-500mm f5.6 gelandet. Für etwas >1000€ gibt es hier ein unglaubliches Objektiv. Eine gebrauchte D500 angeflanscht und Schwupps war ich wieder in der DSLR Welt! Leider hatte ich einen entscheidenden Aspekt bei der Sache vergessen – meine Lesebrille musste ab jetzt zwingend beim Fotografieren dabei sein. Ansonsten keine Bildkontrolle und teilweise auch keine Einstellungen an der Kamera mehr möglich. Für mich eine schwerwiegende Einschränkung unterwegs. Denn in der Zwischenzeit bin ich es gewohnt die Bildkontrolle und alle Einstellungen über den Sucher/EVF OHNE Brille zu machen – dank spiegellos und Dioptrienausgleich ja kein Problem. Mit einer DSLR logischerweise unmöglich. Also habe ich die Nikon Z6 mit FTZ Adapter an dem 200-500 probiert. Leider ist der AFC der Z6 nicht mal annähernd auf Augenhöhe mit der D500. Außerdem hat die D500 letztlich auch nur einen APS-C Sensor und rauscht noch mehr als eine X-T3. Eine Nikon D850 wäre zwar KB und damit rauschärmer bei hohen ISO aber eben auch nur mit Lesebrille sinnvoll zu bedienen. Also was tun?

Schon wieder ein Systemwechsel?

Dem Grunde nach wusste ich sehr wohl was zu tun ist. Aber das würde (erneut) radikale Folgen haben…vor allen Dingen finanzieller Art…ein kompletter Umstieg zu Sony mit A9, 200-600, noch eine A7 III als Zweitbody, dann halt auch ein UWW für Landschaft, eine kompakte A6400 als kleines Besteck etc. – ein Komplettumstieg eben. Das hieße auch eine Verabschiedung von den Fuji Einstellrädern, Blendenring, sowie zahlreichen Objektiven. Nach knapp 2 Jahren Fuji schon wieder ein Systemwechsel? Wieder alles neu lernen?

Um nicht wieder so einen Schnellschuss wie mit Nikon zu machen, hatte ich mich diesmal gründlich vorbereitet und alle Daten in einer Excel Tabelle zusammengetragen, Vor-/Nachteile aufgelistet und abgewogen. Ich habe mir im Vorfeld die Bedienungsanleitungen der Sony Bodies heruntergeladen und ausgiebig studiert. Etwas was ich sonst nie mache… Anschließend habe ich dann einen kompletten Tag bei Calumet verbracht und die infrage kommenden Gerätschaften ausgiebig getestet und Fotos auf meinem mitgebrachten Laptop direkt in Lightroom ausgewertet. Aber vor allen Dingen die Ergonomie der zur Verfügung stehenden Räder und Funktionstasten ausgiebig probiert. Die Idee war dann beim zweiten Besuch eine A7RIII zu kaufen. Aber die neue Sony A7RIV mit ihren 61 MP hat mich dann schlichtweg umgehauen. Ein Sucher mit 5,4 Mio. Pixel, einen APS-C Modus, der mal eben noch 26 MP hat und damit quasi noch eine Fuji X-T3 mit eingebaut hat. Bedeutet aus dem Sony 200-600 wird auf Knopfdruck ein 300-900 f5.6-6.3 mit 26 MP. Wie geil ist das denn?
Wenn man das Rauschverhalten der A7 III selbst bei ISO 12800 erstmal selber sieht, ist man nur noch verblüfft. Alles in allem ist Sony beim AF und beim Rauschverhalten der KB Sensoren wirklich eine Klasse für sich. Die Konfigurierbarkeit der A7/A9 Bodies hat mich allerdings wirklich überrascht.

Fazit am Ende des (zweiten) Tages war ein klarer Punktsieg für Sony in allen relevanten Punkten. Hätte ich vorher für unmöglich gehalten.

Highlight Individualisierbarkeit/Ergonomie

Fangen wir mal mit der Anordnung der Bedienelemente und hier insbesondere der Kontinuität an und dem Vergleich von Sony mit Fuji und anderen. Wenn man sich die Sony A7 Reihe anschaut, hat sich die Anordnung der Knöpfe und Einstellräder nur marginal seit der A7 M1 verändert. Selbst eine A6400 APS-C Kamera bleibt in etwa dem Layout treu. Das kann man von Fuji beispielsweise nicht wirklich behaupten. Fuji experimentiert da insbesonere zwischen den Linien X-Tx und X-Txx ziemlich viel.

v.l.n.r. A7R IV, A7 III, A6400

Besonders hervorheben möchte ich bei Sony das MF-4W-Drehrad auf der Kamerarückseite. Die Drehfunktion erinnert mich an meine alte Canon EOS 1 Kamera. Zusätzlich lässt sich dieses Drehrad aber auch als typisches 4-Wege-Kreuz mit unterschiedlichen Funktionen belegen. Auf die verschiedenen C-Tasten lassen sich nicht nur einzelne Funktionen, sondern ganze Funktionsabfolgen oder Togglefunktionen legen. So kann ich mit mehrfachem Knopfdruck z. B. eine selektierbare (!) Auswahl von AF Feld Typen durchklicken, während ich durch den Sucher gucke. Oder auf Knopfdruck ein komplettes Set an Einstellungen (z.B. AFC, 1/2000 um schnelle Action einzufangen) aktivieren und einige Aufnahmen machen, um sofort wieder mit den „alten“ Einstellungen weiterfotografieren zu können.

Die ISO Auto Funktion von Sony hat meine Art zu fotografieren verändert. In der Vergangenheit habe ich immer klassisch zwischen A (Zeitautomatik) und S (Blendenautomatik) für Action gewechselt. Allerdings bringt das Fotografieren in S den Nachteil mit sich, dass man die Kontrolle über die Blende verliert. Bei bestimmten Objektiven, die offenblendig vielleicht nicht so 100%ig scharf sind, möchte ich dann lieber gerne leicht abblenden. Mit der speziellen ISO Auto Min. VS Funktion lässt sich auch Action in A fotografieren! Einfach genial.

Der erste kleine Dämpfer

Leider gab es zunächst nicht nur Positives zu berichten. Einer der ersten Punkte, die mir aufgefallen sind, ist das die eingebetteten JPG in den Sony ARW RAW Dateien offenbar eine deutlich geringere Auflösung als die Fuji RAF haben. Beim ersten Betrachten mit dem Faststone ImageViewer, den ich für die schnelle erste Sichtung verwende, bin ich fast erschrocken. Es ist quasi unmöglich scharfe von unscharfen Bildern zu unterscheiden. Das würde bedeuten, dass ich den ganzen Schrott erstmal in Lightroom importieren und auch noch parallel archivieren müsste, da ich beim Importvorgang gleich ein BackUp der importierten RAW auf einer externen Festplatte mache. Wäre ja alles nicht so tragisch wenn die unkomprimierten RAW nicht satte 120MB/Bild hätten. Also bläht das die BackUp-Platte dann nicht nur mit unnötigen, sondern auch noch mit grossen RAW auf. Selbstverständlich könnte ich in Faststone das Rendern auf hochwertigere JPG einstellen, aber damit geht die Schnelligkeit von Faststone verloren. Doch dann habe ich -durch Zufall- den Sony eigenen Viewer heruntergeladen. Und dieses Stück Sony Software muss offenbar zwar auch erst neue JPG rendern, aber das geht auf meinem PC sehr fix und die Qualität ist sehr gut. Damit kann ich jetzt auch wieder schnell aussortieren.

Die Objektive

Wie bereits oben geschrieben waren die Objektive der eigentliche Grund zu Wechseln – vor allen Dingen das neue Sony 200-600mm. Denn wer Wildlife macht weiß – Brennweite ist durch nichts zu ersetzen, außer noch mehr Brennweite. 400mm APS-C des Fuji 100-400 sprich 600mm KB waren meist einfach nicht genug – insbesondere im mitteleuropäischen Raum mit großer Fluchtdistanz. Aber auch kleinere Singvögel lassen sich nur selten damit einigermaßen formatfüllend einfangen. Aber auch die anderen Sony Linsen, die inzwischen Einzug gehalten haben, stellten sich als topmodern und offenblendig scharf heraus. Mit topmodern meine ich kompakt, leicht und schneller AF. Zwischenzeitlich haben sich neben meinem Standard-Zoom 16-35 f4, zahlreiche andere Objektive eingefunden:

– Sony 12-24 f4
– Sony 24-70 f4
– Sony 35 f1.8
– Sony 85 f1.8
– Sony 90 f2.8 Macro
– Samyang 24mm f2.8
– Samyang 35mm f2.8

Darüber hinaus habe ich zwischenzeitlich auch in zwei APS-C Kameras A6400 für kompaktes Reisegepäck investiert, so dass auch noch das
– 10-18 f4
– 18-135 f3.5-5.6
– 70-350mm f4.5-6.7

bei mir Einzug hielten.

Zwischenfazit

Nach nunmehr 6 Monaten mit Sony fühle ich mich mit dem Equipment inzwischen sehr vertraut und verbunden. Fotografie insbesondere Wildlife macht mehr Freude denn je. Die Ergebnisse sprechen für sich. Bis dato würde ich sagen, dass sich der Wechsel gelohnt hat und richtig war.

100% Crop aus der Sony A7R IV

Allerdings hoffe ich jetzt das erstmal Ruhe einkehrt. Denn die Wechselei der letzten 5 Jahre von Canon, zu Olympus, zu Fuji und jetzt Sony war nicht nur mit einem enormen Zeitaifwand, sondern auch mit hohen finanziellen Verlusten verbunden. Ich kaufe die Sachen zwar überwiegend gebraucht, dennoch lässt sich auch hierbei ein Verlust beim Wiederverkauf selten vermeiden. Bei den Kameras ist das durch die schnelleren Modellwechsel sogar signifikant.