Von mFT zu Fuji

Fünf Jahre sind jetzt seit meinem Umstieg in 2013 von Canon KB auf das Mirco-FourThird Format vergangen. Und NEIN- dies wird kein KB-Comeback Artikel auch wenn sich die ganze Fotowelt seit der letzten Photokina nur noch um KB Kameras zu drehen scheint. Ich bereue es immer noch nicht. Ich vermisse kein  3,9 kg schweres EF 600mm f4 und auch keine Tiefenschärfe von wenigen mm, wo der Beginn der Nasenspitze schon unscharf ist.

Ich habe lediglich einen kleinen Fehler gemacht und Olympus einen grossen. Mein kleiner Fehler war eine Fuji X-T20 auszuprobieren und Olympus grosser Fehler die Bedienung der E-M1 MKII im Vergleich zu Fuji so kompliziert zu machen.

Was war passiert? Im März 2018 habe ich mich nach langen Jahren dazu breitschlagen lassen wieder mal eine Hochzeit zu fotografieren. Das volle Programm mit Polterabend, Standesamt und Kirche. Da es im erweiterten Familienkreis stattfand, war der Polterabend eher zum Leutekennenlernen und eher weniger zum Fotografieren gedacht. Meine Lumix GX80 mit dem Leica 15mm f1.7 waren prima dafür. Auf dem Standesamt kamen dann wieder die beiden E-M1 MKII mit Festbrennweiten zum Einsatz. Wie das halt auf einer Hochzeit so ist, geht’s immer etwas hektisch zu. Rein in die Tasche, raus aus der Tasche…und dabei meinte dann eine der 1er sich im Menu so verstellen zu müssen, dass statt in RAW jetzt doch mal in JPG S fotografiert werden sollte. Es kam wie es kommen musste, das Gruppenbild stand an und ich bemerkte die Verstellung nicht. Also nahm ich ein gutes Dutzend Bilder als JPG mit 640×800 auf. Zum hat man das beim späteren Fotobuch nicht auch nur bisschen gesehen. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass viel weniger BQ ausreicht als uns heute gebetsmühlenartig suggeriert wird. Auf jeden Fall hab ich mich saumäßig über die E-M1 II geärgert und bin dann fast postwendend zum Fotohändler gefahren und mir jetzt mal ernsthaft eine Fuji angeguckt. Und irgendwie ist der Funke übergesprungen. Hatte eine X-T2 schon mehrfach in der aber irgendwie war es zu den früheren Zeitpunkten noch nicht so weit.

Doch diesmal hat es im wahrsten Sinne des Wortes Klick gemacht. Direkte Bedienung mit Blendenring, Zeiten-/ISO Wahlrad und Belichtungskorrektur Wahlrad, sichert den direkten Zugang zu allen wichtigen Parametern. Insbesondere über die ISO Einstellung an der Olympus E -M1MKII habe ich mich immer wieder geärgert. Ebenso der Schnelle Zugriff auf drei verschiedene Auto ISO Einstellung bei der Fuji sind einfach genial. Ebenso das schnell umschalten zwischen AF-S & AF-C. Bei Fuji ein simples drehen am Einstellknopf an der Front der Kamera, bei Olympus der Gang ins Menü. Ebenso die schnelle Umstellung der Drive Einstellung. Bei Fuji ein schnelles Drehen am Rad auf dem oberen Deck der Kamera, bei Olympus der Gang ins Menü. Und so viele frei belegbare Funktionstasten hat die Olympus auch nicht, als dass man jede Funktion auf irgendeine Funktionstaste legen könnte. Außerdem nervt dieses ständige sich merken müssen auf welcher Taste jetzt welche Funktion liegt. Bei der Fuji habe ich beispielsweise alle Funktionstasten deaktiviert. Lediglich die Aktivierung des Selbstauslösers habe ich mir auf eine Funktionstaste bei der Fuji gelegt.ich habe mich dann bewusst für die neue Fuji X-H1 entschieden, da sie die erste Fuji Kamera mit integriertem Ibis ist. Die Wirkung ist nicht so perfekt wie bei Olympus mit Dual-IS. Doch hat Fuji auf der Fotokina angekündigt mit einem Firmware Update für die X – H1 den Dual – IS nachrüsten zu wollen. Über die Qualität der Fuji Objektive muss man nicht viele Worte verlieren. Mindestens so gut wie die guten Linsen von Olympus und Panasonic/Leica. Auch bei Fuji war ich sehr überrascht von der guten Qualität der Einstiegsobjektive. Ein Phänomen was mich bei mFT immer wieder fasziniert hat. Bei MFT konnte ich das in gewisser Weise nachvollziehen, da die Linsen für MFT aufgrund der Größe einfacher gut zu konstruieren sind. Bei APS-C werden die Linsen logischerweise schon etwas größer und damit auch schwerer bei Offenblende scharf zu konstruieren. Aber Fuji hat das offenbar ganz gut im Griff. Ein leidiges Thema war zu Beginn die Entwicklung in Lightroom. Hier insbesondere das Thema Schärfen. Man muss sich aber einfach darüber im Klaren sein, dass der Fuji X-Transsensor sich anders verhält als der typische Bayer Sensor. Der X Transverträge in Lightroom wesentlich weniger Betrag. Die Schärfung erfolgt in Lightroom mehr über den Radius und den Detailregler. Bei Landschaftsaufnahmen muss eventuell die Sättigung des Grüntons zurückgenommen werden. Damit erreicht man auch in Lightroom mehr als zufrieden stellende Ergebnisse. Allerdings schiele ich dennoch immer wieder auch zu Capture One und anderen RAW Entwickeln. Aber am Ende stelle ich immer wieder fest, dass es viele Funktionen in Lightroom gibt, die ich ungern aufgeben möchte. Auch wenn mich das leidige Thema Adobe Abo wirklich nervt.

Kurze Zeit nach der standesamtlichen Trauung habe ich mir dann günstig eine X-T20 mit Kit-Objetiv XC 16-50mm gekauft.  Und ab da ging alles sehr schnell – Festbrennweiten 23mm f1.4 und 56mm f1.2 dazugekauft und schwupps die kirchliche Trauung -zusammen mit E-M1 II- fotografiert. Beide Festbrenner haben sich bezahlt gemacht – ich hab wirklich wunderbare Fotos damit geschossen. Inzwischen habe ich massiv ausgebaut und auf zwei X-H1 und zwei X-T20 Bodies aufgestockt, sowie zahlreiche Linsen wie das 10-24mm, 15-45mm, 55-200mm, 100-400mm, 23mm f2, 50mm f2, 60mm Makro und 80mm Makro dazugekauft.

Alles in allem bin ich ziemlich happy mit meinem Fuji Equipment. Den ganzen Hype um KB verstehe ich nach wie vor nicht. Ich sehe wenig bis gar keine Vorteile in den kleineren spiegellosen Bodies. Denn die Objektive bleiben einfach (zu) groß. Zumal die aktuelle Objektiventwicklung ohnehin zu größeren Linsen führt. Dazu gibt es ein interessantes Interview auf YouTube mit Krolop und dem Objektivexperten Anders Uschold.

Ich denke Fuji hat mit APS-C vieles richtig gemacht. An aller erster Stelle natürlich die Bedienung der Kameras. Und das Entscheidende, dass alle Objektive für APS-C gerechnet sind und nicht wie bei anderen Anbietern eigentlich KB Objektive sind und nur an APS-C adaptierbar. Dadurch bleiben die Objektive der Sensorgrösse angemessen klein. Da ich sehr viel Landschaft mache wäre ein konsequenter Schritt Fuji Mittelformat. Allerdings kommt dann auch wieder meine obligatorische Standardfrage ins Spiel – was mache ich denn wirklich mit meinen Bildern? Brauche ich das? Da muss man einfach offen zugeben, dass Mittelformat für meine Verwendungszwecke völlig überzogen ist. Genauso wie KB, aber eben auch APS-C. Denn für Veröffentlichungen auf der Webseite, ein bisschen bloggen und selbst große Ausdrucke bis zu A0, reicht mFT völlig! Letztlich war lediglich die kompliziertere Bedienung der Olympus für mich der Showstopper und der Grund zu Fuji zu wechseln. Mehr Format als mFT brauchts eigentlich wirklich nicht.

Olympus 300mm f4 – Stoff zum Verlieben?

Seit ziemlich genau zwei Jahren, warten Teile der mFT Gemeinde -fast sehnsüchtig möchte man sagen- auf die neue Festbrennweite im Supertele Bereich – das Olympus m. Zuiko 300/4. Mit seinen KB äquivalenten 600mm und einer immer noch respektablen Anfangsöffnung von f4, ist es keine Linse für Jedermann und jede Gelegenheit. Es sei denn man ist (im Hauptberuf) Sport-/Wildlifefotograf, sammelt alle Olympus Objektive oder hat schlichtweg zuviel Geld über. Womit wir auch gleich bei einem heiss diskutierten Thema wären – dem Preis für diese Linse.

Olympus ruft stolze 2599 € für die längste Festbrennweite im mFT Objektivprogramm auf. Macht 2,05 € pro Gramm (1270g) oder 11,45 € pro mm (227mm) Linse. Zum Vergleich – Canon verlangt für sein EF 600/4 II IS schlappe 12.869 € (UVP), macht 3,28 € pro Gramm (3920g) bzw. 28,73 € pro mm (448mm). Insofern relativiert sich der für mFT Verhältnisse sehr hohe Preis im direkten Vergleich. Ja ich weiß – die Bildwirkung des 300/4 entspricht einem 600/8. In Ermangelung eines solchen Objektivs, muss der etwas ungleiche Vergleich herhalten. Alternativ könnte man jetzt noch mit APS-C vergleichen, sprich einem 2100g leichten Canon EF 400/4 DO II für 7149 € (3,40 € pro Gramm, 30,68 € pro mm). Aber auch da spricht der direkte Preisvergleich für das 300/4. Das 300er ist also vergleichsweise ein Schnapper – hätten wir das schon mal geklärt.

Aber jetzt Spass beiseite. Zweitausendfünhundertneunundneunzig Euro sind für die mFT Welt eine ordentliche Hausnummer. Da kommt so manch einer, der mit der Linse liebäugelt, ins Grübeln. Soll/kann/darf man für ein vergleichsweise kleines Sensorformat wie mFT, soviel Geld für eine Linse ausgeben? Ein typischer Jurist würde jetzt sagen – kommt drauf an. Eben. In der Tat, es kommt halt auf den Einsatzzweck an oder zu welcher Benutzergruppe man sich zählt.

Fangen wir mal mit den Profis an. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich immer noch nicht, dass es aktuell auch nur einen professionellen Sport/Wildlife Fotografen gibt, der wirklich mit mFT unterwegs ist. Und ich glaube auch nicht, dass sich das mit dem neuen 300er ändern wird. So verlockend das geringere Gewicht (-40% vs. 400DO) auch sein mag, für einen Profi zählen (auch noch) andere Dinge. Dazu zählen AF-Performance, Robustheit, schnelle Hilfe im Servicefall etc. und das ganze gilt natürlich auch für die Kameras des Systems. Egal ob Verfolgungs-AF (C-AF), verwendete Materialen oder Profi-Service – hier hapert es bei Olympus doch an einigen Ecken. Ja der C-AF ist besser geworden, aber doch noch von einer 7D MKII oder 1 DX II entfernt. Ja auch das neue 300er ist abgedichtet, kältegeschützt etc., aber einen wirklich soliden Eindruck wie meine früheren Canon L-Objektive, macht keines der Olympus Objektive. Gerade die neuen m.Zuiko Pro Linsen erwecken nicht den Eindruck, dass sie einen rauen Profialltag lange schadlos überstehen würden. Bei den alten Olympus FT Pro sah das anders aus. Aber vielleicht tue ich den neuen m.Zuiko Linsen auch unrecht. Die Zeit wird’s zeigen. Bleiben eigentlich nur in Olympus vernarrte Amateure, die für den Zoobesuch am Wochenende, die heimische Vogelwelt oder das Fussball-Bezirksligaspiel profimässig ablichten und dafür tief in die Schatulle greifen wollen.

Wie bekomme ich jetzt dennoch die Kurve zur Lovestory mit dem neuen 300er?
Zunächst mal – ich bin kein Profi mehr. Muss mir also keinen Kopf mehr darum machen, ob das 300er im dichten Gedränge einen Schlag ab kann. Auch kann ich mal ein Motiv verpassen, weil der Fokus in einer Serie öfter daneben lag. Ich mach das nur noch zum Spass und kann mit diesen Defiziten leben. Spass habe ich dagegen an der Kompaktheit dieses 300er mit der Wirkung eines 600er. Ich habe Spass an dem neuen und unglaublichen Dual-IS, der mich unglaubliche Zeiten Freihand halten lässt.

Also kurzum – seit der Präsentation und erstem Ausprobieren des 300er bin ich verliebt. Bei der Präsentation von Olympus Ende Februar 2016 im Düsseldorfer NRW-Forum am Rheinufer war ich rechtzeitig da und hatte zu Beginn viel Zeit mich mit der Linse zu beschäftigen. Leider war das Licht im Raum sehr bescheiden, so dass sehr lange Belichtungszeiten zustande kamen und ich ein Stativ benötigte. Ich konnte die Linse aber in Ruhe auf einem Stativ montieren und ein paar unwissenschaftliche Tests und Direktvergleiche mit meinem Zuiko 150mm f2 + EC20 durchführen. Der Grund: Alle stürzten sich auf die ebenfalls vorgestellte PEN-F, so dass das eine Exemplar zunächst unbeachtet blieb. Um es kurz zu machen – die Kombi 150+EC20 hatte nicht den Hauch einer Chance gegen das neue 300er. Die Schärfe dieser Linse ist bestechend. Und die Kombi von Body- und Objektivstabilisierung ist schlichtweg unglaublich. Später hatte ich auch die Gelegenheit das 300er mit meinem MC14 auf 420mm zu verlängern und draußen zu testen. Draußen war es leider auch bewölkt, so dass ich mit Zeiten zwischen 1/80 und 1/250 bei ISO 800 vorlieb nehmen musste. Aber selbst da waren die Ergebnisse noch brauchbar. Nicht vergessen – wir reden von einem Bildwinkel <4°. Da führt wirklich jede minimalste Erschütterung zu Verwacklungen und da hat auch ein Dual-IS in Obketiv und Body seine Grenzen.

 

Oben links sieht man das Gesamtbild, welches mit Stativ und ausgeschaltetem IS aufgenommen wurde. Rechts oben die Belichtungseinstellungen. Die RAW Dateien wurden nur ganz minimal entwickelt. Ein wenig Klarheit (+15) und Schärfe auf 25 – sonst nix.

Nachfolgend einige Crops aus dem direkten Vergleich 150mm f2+EC20 und 300mm f4, welche vom Stativ (Sirui Carbon T-1204) ohne IS, mit Selbstauslöser und mechanischem Verschluss aufgenommen wurden. Entfernung waren ca. 5m. Da sieht man deutlich die Schwäche des EC20 mit dem 150er und wie exzellent das 300er bei Offenblende auflöst.

 

Das Bild mit TC14 Konverter wurde Freihand aufgenommen mit 1/160 f5.6 bei ISO 800. In der Normalansicht noch ganz ok. Im 100% Crop sieht man dann doch die leichte Verwacklung. Das geht mit ein wenig mehr Ruhe sicher noch besser. Aber zu dem Zeitpunkt drängelten sich dann doch Einige mehr rund um den neuen Super-Tele Star von Olympus, so dass ich auch nicht mehr ganz so viele Versuche machen konnte.

 

100% Crop 420mm f5.6

Sehr lobenswert finde ich übrigens die Arca Swiss Aufnahme an der Stativschelle – das 300er konnte so direkt auf meinem Arca Kopf auf dem Stativ befestigt werden – ohne lästige Adapterplatte. Leider hat aber auch das 300er wieder eine dieser fummeligen Stativschellenschrauben erhalten, die sich zudem auch immer wieder leicht lösen. Aus meiner Sicht eine typische Olympus Krankheit, welche ich beim FT 150/2, beim FT 50-200 f2.8-3.5 und beim mFT 40-150 f2.8 schon festgestellt habe. Nicht nur, dass das lästig ist, es verkratzt halt ggf. auch das Objektivgehäuse. Denn irgendwann löst sich die Schelle halt komplett in der Tasche und wandert am Objektivtubus auf und ab. 

Was ich wieder vermisse ist ein Entfernungsspeicher, so wie ich ihn von den Canon Super-Teleobjektiven kenne. Damit kann man z.B. beim Fussball auf den Torbereich und die Trainerbank scharfstellen und diese Entfernung fix abspeichern. Fotografiere ich jetzt eine Spielszene auf dem Feld und es tut sich etwas unerwartetes auf der Trainerbank oder dem Torbereich, kann ich blitzschnell mittels Entfernungspeicher auf den voreingestellten Entfernungsbereich scharfstellen und der AF ist somit noch fixer. Auch bei Wildlife kann diese Funktion sehr hilfreich sein.

FAZIT

Ich würde sagen das Olympus -bis auf den Preis- ziemlich viel richtig gemacht hat. Das Wichtigste bei einem Super-Teleobjektiv stimmt 100%ig – die Bildqualität. Auch das Bokeh ist geschmeidiger als beim 40-150 f2.8 beispielsweise. An das 150 f2 kommt es allerdings nicht heran. Bei Vogelaufnahmen mit naheliegenden Ästen im Hintergrund sollte man vor der Aufnahme zweimal hinschauen. Das ist halt der Preis für auf Schärfe/Kontrast, sowie Kompaktheit getrimmte Linsen.

Jetzt hoffe ich nur noch, dass ich bald ein Exemplar bekomme. Die Verfügbarkeit ist aktuell arg eingeschränkt, da die erste Charge für Europa offenbar recht flott ausverkauft war. Der Durst nach Super-Tele Brennweite bei mFT scheint doch recht gross zu sein.

Um auf den Titel zurückzukommen – ja ich bin verliebt…und deswegen habe ich es inzwischen auch.

Von Vollformat zu mFT

Mitte 2013 hatte ich die Nase voll. Ich war in Österreich unterwegs und schleppte meinen knapp 15kg schweren Calumet Rucksack mit Rückenschmerzen durch die Berge. Zurück aus Österreich war für mich klar – ich muss mich verkleinern. Doch eins war auch klar – die Qualität sollte darunter nicht gravierend leiden. In Folge beschäftigte ich mich nach über 25 Jahren Canon EOS erstmals mit einem anderen (Haupt)System. Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung was sich in der Zwischenzeit auf dem Markt getan hatte. Aus Vertrautheit hatte ich immer wieder zu einer Canon DSLR gegriffen – ohne weiter nach rechts oder links zu gucken. Schnell fiel mein Auge auf die seinerzeit ziemlich gehypte OM-D E-M5 von Olympus. Schon zu analogen Zeiten fand ich die OM Bodies optisch einfach schön. Gesagt getan – für kleines Geld habe ich dann beim grossen Online-Auktionshaus blind eine Olympus OM-D E-M5 inkl. m.Zuiko 45/1.8 Objektiv ersteigert.

Aller Anfang ist schwer

Nach dem Auspacken der Kamera und des Mini-Objektivs kamen erste Zweifel auf: „Dieses kleine Ding soll meine heißgeliebte Canon 5D MKII mit 85er ersetzen?“. Nicht wirklich dachte ich im Stillen. Jetzt war sie aber nunmal da und sollte auch unter die Lupe genommen werden. Irgendetwas musste ja schließlich am Hype um die O-MD dran sein.

Nach 15 Minuten war ich jedoch drauf und dran das Set wieder beim Auktionshaus einzustellen und mich ganz schnell wieder von der OM-D zu verabschieden. Warum? Die Olympus Menüführung trieb mich in den Wahnsinn! Und ich erinnerte mich vage an das Menü einer Olympus C-5050, die ich mal vor Jahren in der Firma als Knipse hatte. Die Bilder waren für damalige Verhältnisse klasse, aber das Menü war einfach nur gruselig. Die zahlreichen Verschachtelungen erschlagen einen förmlich. Und bei der E-M5 kommts noch dicker, da es dort sehr viel mehr Einstellparameter gibt.

Aber nicht so schnell mit den jungen Pferden – Google ist dein Freund. Schnell war Malamuts Einstellungsführer für die E-M5 im Internet gefunden und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Nein nicht mit Malamut, sondern mit der E-M5 und dem spiegellosen Mikro-FourThird (mFT) System von Olympus und Panasonic. Erfolgsschlüssel dafür war zweifelsohne die Entdeckung des „SCP“ Menüs, welches einem die wichtigsten Einstellmöglichkeiten per Tastendruck auf den 3 Zoll Monitor zaubert und auch per Touchscreen bzw. im Sucher (!) auswählbar ist.

 

Unverständlich warum Olympus dieses wichtige Menü nicht in der Werksauslieferung eingestellt hat. Man muss es erst mühsam in den Tiefen des Menüs aktivieren. Die erste Hürde war genommen.

Meine Anforderungen

Wie eingangs geschrieben wollte ich keine all zu grossen Abstriche bei der Qualität machen. Ausreichende Qualität heißt für mich in erster Linie Bilder für Diashows und Fotobücher mit maximal DIN A4-Doppelseiten, sprich DIN A3. Daneben aber auch Grossformat-Ausdrucke bis zu DIN A0 auf meinem 44 Zoll HP Z3100.

Pixelpeepen am Monitor halte ich nicht für zielführend, da kein Mensch für gewöhnlich Fotos mit der Lupe betrachtet. Und nichts anderes ist die 100% Ansicht am Monitor. Hinzu kommt der Betrachtungsabstand, welcher ungefähr der Bilddiagonalen entsprechen sollte.  Bei 1 Meter Betrachtungsabstand beispielsweise kann ein ein sehr scharfsichtiger Mensch, maximal  noch 0,3 mm grosse Punkte erkennen.  Neben der Qualität spielten für mich aber vor allen Dingen das Gewicht und die Portabilität eine Hauptrolle. Der Rücken wird mit dem Alter nunmal nicht besser. Ich bin es aus Profizeiten gewohnt, mindestens 2 Bodies dabei zu haben. Zum Einen aus Sicherheitsgründen aber auch um nicht ständig Objektive wechseln zu müssen. Und hier schlägt die Sternstunde der spiegellosen Micro Four-Third Kameras und Objektive. Deutlich kompakter – deutlich leichter. Aber auch ähnlich gut bei der Bildqualität?

Erster Einsatz im Studio

Ich plante als ersten Test für die E-M5 ein Bewerbershooting unter Studiobedingungen mit Studio-Blitzlichtanlage. Hier kam gleich die erste unangenehme Überraschung – echte ISO 100 gibt es an der E-M5 nicht. Also ISO 200 verwendet und Blitzanlage so weit wie es ging nach unten geregelt. Nächste unangenehme Überraschung – tethered shooting geht mit der E-M5 auch nicht. Sprich keine direkte Bildkontrolle auf dem externen Monitor während des Shootings. Das fand ich weniger prickelnd. Versuche mit einer Eye-Fi Karte habe ich mir gespart – wer schon mal ein Studio-Shooting mit WLAN gemacht hat, weiß wovon ich spreche. Ein Kabel bleibt des Fotografen bester Freund. Im Shooting startete ich zunächst mit der gewohnten Canon 5D MKII und wechselte anschließend zur E-M5.

Dann kam der spannende Augenblick am 27 Zoll Monitor. Der erste Eindruck – kein gravierender Unterschied! In der 100% Ansicht dann die Sensation. Das aus dem RAW in ein LR DNG umgewandelte Bild der E-M5 besitzt die gleichen feinen Strukturen wie das der 5DMKII (siehe jeweils 100% Crop aus LR). Die Ausschnitte wurden beide in LR entwickelt, sprich Kontrast, Klarheit und Schärfe angepasst. Aber selbstverständlich galt für beide Bilder, dass ich das Optimum herausholen wollte.

Vielleicht war mein EF 85/1.8 nicht das schärfste Exemplar aber trotzdem hatte ich in der 100% Ansicht doch einen deutlichen Vorsprung der Kombi 5DMKII mit dem EF 85/1.8 erwartet. Ich war wirklich baff und bin es immer noch wenn ich mir die Bilder von damals anschaue. Ok – Blitzlicht, abgeblendet auf f8, ISO 200 – alles selbstverständlich optimale Bedingungen. Wie schlägt sich der nur knapp halb so grosse mFT Sensor denn draußen und bei schlechten Lichtverhältnissen?

Trip in die Bretagne – Canon zurücklassen?

Folgerichtig gings anschließend raus in die raue Wirklichkeit. Eine Reise in die Bretagne stand an. Eine gute Möglichkeit mFT unter Freiluftbedingungen zu testen. Grosse Frage vor der Abreise – Canon zuhause lassen? Die Frage hatte sich schnell erledigt, da wir von Paris nach Brest geflogen, statt mit dem Auto gefahren sind. Für „doppeltes“ Foto-Gepäck war kein Platz – also Mut zur vermeintlichen Lücke.

In der Zwischenzeit hatten sich noch das Lumix 7-14/4, das Lumix 35-100/2.8, sowie das m.Zuiko 14-150/4-5.6 in meiner Fototasche eingefunden. Um das Fazit vorwegzunehmen – es war herrlich befreiend. Erstmals setzte ich eine Hüfttasche (Lowepro Inverse 200 AW) ein. Mit Canon Equipment war das unmöglich, da nie alles reinpasste und das obwohl ich Hüfttaschen schon immer am Praktischsten fand. Das Gewicht auf der Hüfte macht einem am wenigsten aus und man hat alles sofort griffbereit und wieder verstaut. Wenn ich unterwegs bin muss ich immer alles vom Ultra-Weitwinkel bis zum Supertele dabei haben und wechsle sehr häufig die Brennweite. Ein Grund warum ich sehr stark auf hochwertige Zoomobjektive setze. Das ich bei mFT diesbezüglich einen Volltreffer gelandet hatte, war mir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Mit 1.345 g statt 3.170g (bei Canon) und 14-300mm KB-Äquivalenz ging es also auf Foto-Tour in die Bretagne nach Ploumanac’h, Fouesnant, Crozon, Quimper und Concarneau.

Plage à Lesconil

 

 

Die Leichtigkeit des Seins

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich fragt „Warum hast du das nicht schon viel früher gemacht!?“. Dieser Moment war bereits nach dem ersten Tag intensiven Outdoor-Fotografierens mit mFT und Hüfttasche gekommen:

– Keinerlei Rückenschmerzen mehr

– Nie das Gefühl gehabt ein Motiv verpasst zu haben

– Ein Bildstabilisator, der neue Sujets erschließt

– Schärfe bis in die Ecken – selbst bei Offenblende

– Ein One Shot AF der blitzschnell und präzise fokussiert

Hinzu kommt die wirklich individuell einstellbare Bedienung der Kamera. Doch vor die Freuden der Konfigurierbarkeit, hat der Olymp(us) das Menü gestellt. Über dieses Thema könnte ich Seiten schreiben – prall gefüllt mit einer Nachhilfestunde für Olympus in Sachen Ergonomie. Aber was hilft all das Zetern und Meckern? Nichts. Olympus‘ Philosophie ist nunmal so und weder ich noch andere werden das mit ihrem Gezeter ändern. Es hilft einzig und allein die wirklich intensive Beschäftigung mit jedem einzelnen der 38 Hauptmenüpunkte und den 126 Untermenüs plus weiterer Submenüs.

Leider ist auch die Bedienungsanleitung nicht immer eine Hilfe. Viele (wichtige) Funktion werden schlichtweg nicht deutlich genug erklärt und lassen viele Benutzer im Frust zurück. Ein Grund warum ich beispielsweise eine Excel Tabelle mit allen Menüpunkten und kurzen Erläuterungen erstellt habe. Besonders hilfreich wenn -wie bei einem der letzten FW Updates geschehen- alle individuellen Einstellungen verloren gehen und man wieder von vorne anfängt. Erste Tat sollte in jedem Fall die Aktivierung des sog. SCP Menüs sein (Menü Zahnrad-Display/Ton/PC-Control Settings-P/A/S/M-Live SCP). Mit dem SCP Menü hat man über den Touchscreen aber auch direkt im Sucher (!) Zugriff auf die wichtigsten Funktionen. Wenn man die Menü Klippe umschifft hat, stehen einem Möglichkeiten offen, die die Art zu fotografieren ändern können.

High ISO

Mit High ISO verhält sich es ein wenig mit vielen anderen technischen Gimmicks – worüber reden wir eigentlich? Ich habe Mitte der 90er Agfachrome 1000 Diafilme bei BL-Flutlichtspielen oder Basketball in der Halle auf 1600 oder 3200 ISO pushen lassen. Das war eine Qual für den Film aber teilweise auch für die Augen. Aber das hat auch für A4 Titel gereicht. Heute reden wir über 6-stellige ISO Zahlen und Amateure echauffieren sich, dass es bei ISO 12.500 auf dem Monitor „rauscht“. Ich kann da immer nur verständnislos mit dem Kopf schütteln. Nein ich bin kein Altgestriger, der denkt das früher alles besser war. Nur sollte man sich vor Augen halten, dass wir heute Bilder machen können, die vor einigen Jahren unmöglich waren und Korn nicht wehtut. Manchmal sogar einen besonderen Reiz in einem Bild ausmacht.

Chapelle de Perguet

ISO 10000

Fotografenherz was willst du mehr!?

Ja was will man als Amateur Fotograf noch mehr? Oder sollte ich besser fragen, was BRAUCHT Otto-Normal-Fotograf wirklich noch mehr? Ich bin der Meinung – nichts. Ich halte meine persönlichen Ansprüche für weder besonders hoch noch besonders niedrig. Ich bin weder Pixelpeeper noch Schärfefanatiker – die Bildaussage steht für mich im Vordergrund. Dennoch habe auch ich gewisse Qualitätsansprüche an mein Equipment. Aber in Bezug auf die übliche Verwendung meiner Bilder, ist mFT hervorragend geeignet und KB-Sensorformat völlig überzogen. Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass kein Amateur KB-Sensorformat benötigt. Selbstverständlich ist es gut wenn man bei An/Ausschnitten mehr Reserven hat. Aber da sage ich den Leuten immer ganz klar – lernt eure Bild im Sucher und nicht am Monitor zuhause zu komponieren. Formatfüllendes Fotografieren sollte eine Grundvoraussetzung sein, um optimale Ergebnisse zu erzielen – egal in welchem Format. Und wenn es denn mal gar nicht anders geht, ist das hin wieder auch kein Beinruch. Dann muss halt mal mit dem Weniger an Schärfe und dem Mehr an Korn leben. So what?

Bleibt das Killerargument Freistellung, Tiefenschärfe, Schärfentiefe etc. Ja es gibt Motive die gehen mit mFT nicht genauso wie mit Vollformat. Wer also davon besessen ist permanent mit einem 85mm f1.2 bei Offenblende fotografieren zu müssen, für den reicht auch ein Nocticron 42,5mm f1.2 nicht und der wird mit mFT nicht glücklich. Ich möchte an dieser Stelle auch keine Wertung abgeben, ob man das braucht oder nicht. Ich für meinen Teil brauche das nicht. Bildaussagen kann man nach meinem Dafürhalten auf vielen Wegen erreichen. Dazu muss es nicht permanent Offenblende bei Vollformat sein. Davon ab geht gute Freistellung natürlich auch mit mFT. In diesem Sinne – Prost!

Leica Nocticron 42,5mm f1.2

 

Action mit mFT

Hierzu -muss ich ehrlich gestehen- kann ich noch keine belastbaren Aussagen machen. Denn obwohl Action- und Sportfotografie einst zu meinem Hauptgebiet in der Fotografie gehörte, hat sich mein Schwerpunkt als Amateur komplett in Richtung Landschafts- und Reisefotografie verschoben. Ich hatte bis dato schlichtweg nicht die Gelegenheit den stark einstellbedürftigen C-AF von mFT systematisch zu testen. Man liest nur immer wieder in den einschlägigen Foren, dass erst die richtigen Einstellparametern zu guten bis sehr guten Ergebnissen führen. Ich kann das in gewisser Weise bestätigen, da ich es auf Anhieb nicht hinbekommen habe, durchgängig scharfe Serien von Bewegtobjekten zu erstellen. Der Ausschuss ist sehr hoch im Vergleich zu meiner alten Canon 7D beispielsweise. Aber um diese Thema werde ich mich noch einmal gezielt kümmern und Ausloten was möglich ist.

Wie es weiterging…

Trotz der anfänglichen Euphorie, blieb ich mißtrauisch und behielt mein Canon Equipment doch noch recht lange. Gerade die C-AF Problemchen und nicht zuletzt der elektronische Sucher hielten mich von einem schnellen Verkauf ab. Mir persönlich fiel die Umstellung auf einen elektronischen Sucher doch recht schwer. Ich empfand das anfangs immer ein wenig wie Mäusekino auf einem Auge. Hatte auch Befürchtungen, dass das auf Dauer vielleicht sogar Kopfschmerzen bereiten könnte, wenn man fortwährend mit einem zugekniffenen Auge auf einen flimmernden Bildschirm starrt. Heute kann ich sagen, dass diese Ängste unbegründet waren und Olympus wirklich Pionierarbeit mit dem elektronischen Sucher bei der E-M5 geleistet hat. Der Sucher der E-M5 war zum damaligen Zeitpunkt wirklich state of the art. Im Herbst 2013 erfolgte die Ankündigung des neuen Spitzenmodells vom Olympus – die E-M1. Bei der Präsentation in den Cubic Studios in Düsseldorf hatte ich Gelegenheit die Kamera erstmals in die Hand zu nehmen und zu testen. Ich war hin&weg von diesem Werkzeug. Wie in meine Hände geformt, ein noch besserer weil größerer elektronischer Sucher und eine Individualisierbarkeit, die ihresgleichen sucht. Kurzerhand habe ich gleich 2 E-M1 plus das ebenfalls neu vorgestellte PRO Zoom 12-40/2.8 bestellt. Inzwischen ist das gesamte Canon Equipment bis auf eine analoge Canon EOS-1 (meine erste Kamera als Profi) und ein EF 50/1.4 verkauft. Das mFT Equipment wurde massiv ausgebaut auf drei E-M1, eine E-M5, sowie eine Panasonic GM5. Die umfangreiche mFT Objektivpalette wurde inzwischen auch durch ein altes aber brilliantes Olympus Zuiko FT 150/2.0 erweitert.

Fazit

Ja die Frage wiederhole ich gerne: „Warum habe ich das nicht schon viel früher gemacht?“ Zum einen weil ich mehr als 25 Jahre keine Notwendigkeit darin sah mich zu verkleinern und zum anderen war die Zeit noch nicht reif. Erst mit der E-M5 hat mFT einen massiven Schub in alle Richtungen bekommen:

– Erster wirklich brauchbarer elektronischer Sucher

– 5-Achsen Bildstabilisator, der alle anderen in den Schatten stellt

– Staub- und Spritzwassergeschütztes Gehäuse

– Modulares Griffkonzept

– Umfangreiches Wechselobjektivangebot

Dennoch ist mFT nicht für Jedermann geeignet. Wer beispielsweise grosse Hände sein Eigen nennt, wird mit den kleineren mFT Gehäusen sein liebe Not haben und ein DSLR Gehäuse bevorzugen. Fotografen mit Schwerpunkt Sport/Action/Wildlife werden auch weiterhin mit 1DX&Co. und den entsprechenden Objektiven besser fahren. Hier hinkt mFT noch etwas hinterher. Aber ich bin der festen Überzeugung nicht mehr lange. Mit dem letzten FW Update 3.0 für die E-M1 oder der Panasonic GH4 sitzt mFT der DSLR Konkurrenz in Bezug auf den C-AF mächtig im Nacken. Das Objektivangebot wurde/wird mit dem hervorragenden Telezoom 40-150/2.8 und dem kommenden Tele 300/4 kontinuierlich ausgebaut. Ich denke den Spiegellosen gehört die Zukunft.

Puuh das ist jetzt seeeehr lang geworden. Aber es war auch ein langer Weg und bei diesem Thema gibt es viele Aspekte. Hoffe es gibt dem einen oder anderen ein wenig Hilfe bei seinen Überlegungen.