Von MicroFourThird zu Fujifilm

Fünf Jahre sind jetzt seit meinem Umstieg in 2013 von Canon KB auf das Mirco-FourThird Format vergangen. Und NEIN- dies wird kein KB-Comeback Artikel auch wenn sich die ganze Fotowelt seit der letzten Photokina nur noch um KB Kameras zu drehen scheint. Ich bereue es immer noch nicht. Ich vermisse kein  3,9 kg schweres EF 600mm f4 und auch keine Tiefenschärfe von wenigen mm, wo der Beginn der Nasenspitze schon unscharf ist.

Ich habe lediglich einen kleinen Fehler gemacht und Olympus einen grossen. Mein kleiner Fehler war eine Fuji X-T2 auszuprobieren und Olympus grosser Fehler die Bedienung der E-M1 MKII im Vergleich zu Fuji so kompliziert zu machen.

Was war passiert? Im März 2018 habe ich mich nach langen Jahren dazu breitschlagen lassen wieder mal eine Hochzeit zu fotografieren. Das volle Programm mit Polterabend, Standesamt und Kirche. Da es im erweiterten Familienkreis stattfand, war der Polterabend eher zum Leutekennenlernen und eher weniger zum Fotografieren gedacht. Meine Lumix GX80 mit dem Leica 15mm f1.7 waren prima dafür. Auf dem Standesamt kamen dann wieder die beiden E-M1 MKII mit Festbrennweiten zum Einsatz. Wie das halt auf einer Hochzeit so ist, es geht immer etwas hektisch zu. Rein in die Tasche, raus aus der Tasche…und dabei meinte dann eine der 1er sich im Menu so verstellen zu müssen, dass statt in RAW jetzt doch mal in JPG S fotografiert werden sollte. Es kam wie es kommen musste, das Gruppenbild stand an und ich bemerkte die Verstellung nicht. Also nahm ich ein gutes Dutzend Bilder als JPG mit 640×800 auf. Zum Glück hat man das beim späteren Fotobuch nicht auch nur ein bisschen gesehen. Womit mal wieder bewiesen wäre, dass viel weniger BQ ausreicht, als uns heute gebetsmühlenartig suggeriert wird. Trotzdem hab ich mich saumäßig über die E-M1 II geärgert und bin dann fast postwendend zum Fotohändler gefahren und mir jetzt mal ernsthaft eine Fuji angeguckt. Und irgendwie ist der Funke an dem Tag übergesprungen. Hatte eine X-T2 schon mehrfach in der Hand aber irgendwie war es zu den früheren Zeitpunkten noch nicht so weit.

Doch diesmal hat es im wahrsten Sinne des Wortes Klick gemacht. Direkte Bedienung mit Blendenring, Zeiten-/ISO Wahlrad und Belichtungskorrektur Wahlrad, sichert den unkomplizierten Zugang zu allen wichtigen Parametern. Analog ist eben manchmal doch noch King.

Insbesondere über die ISO Einstellung an der Olympus E -M1MKII habe ich mich immer wieder geärgert. Ebenso der Schnelle Zugriff auf drei verschiedene Auto ISO Einstellung bei der Fuji sind einfach genial. Gleichsam das schnelle Umschalten zwischen AF-S & AF-C. Bei Fuji ein simples drehen am Einstellknopf an der Front der Kamera, bei Olympus der Gang ins Menü.

Ebenso die schnelle Umstellung der Drive Einstellung. Bei Fuji ein schnelles Drehen am Rad auf dem oberen Deck der Kamera, bei Olympus wieder der Gang ins Menü. Und so viele frei belegbare Funktionstasten hat die Olympus auch nicht, als dass man jede Funktion auf irgendeine Funktionstaste legen könnte. Aber selbst dann muss man auch erst wieder auswählen/scrollen/drehen um den entsprechenden Wert einzustellen. Außerdem nervt dieses ständige sich merken müssen auf welcher Taste jetzt welche Funktion liegt. Bei der Fuji habe ich beispielsweise alle Funktionstasten deaktiviert. Lediglich die Aktivierung des Selbstauslösers habe ich mir auf eine Funktionstaste bei der Fuji gelegt. Ich habe mich dann später bewusst für die neue Fuji X-H1 entschieden, da sie die erste Fuji Kamera mit integriertem Ibis ist. Die Wirkung ist nicht so perfekt wie bei Olympus mit Dual-IS. Doch hat Fuji auf der Photokina 2018 angekündigt mit einem Firmware Update für die X – H1 den Dual – IS nachrüsten zu wollen.

Über die Qualität der Fuji Objektive muss man nicht viele Worte verlieren. Mindestens so gut wie die guten Linsen von Olympus und Panasonic/Leica. Auch bei Fuji war ich sehr überrascht von der guten Qualität der Einstiegsobjektive. Ein Phänomen was mich bei mFT immer wieder fasziniert hat. Bei MFT konnte ich das in gewisser Weise nachvollziehen, da die Linsen für mFT aufgrund der Größe leichter gut zu konstruieren sind. Bei APS-C werden die Linsen logischerweise schon etwas größer und damit auch schwerer bei Offenblende scharf zu konstruieren. Aber Fuji hat das offenbar ganz gut im Griff. Ein leidiges Thema war zu Beginn die Entwicklung in Lightroom. Hier insbesondere das Thema Schärfen. Man muss sich aber einfach darüber im Klaren sein, dass der Fuji X-Transsensor sich anders verhält als der typische Bayer Sensor. Ich habe zwei unterschiedliche Schärfungsmöglichkeiten in Lightroom ausgemacht:

a) Niedriger Betrag 25, Radius 1, Hoher Detailregler 80

b) Hoher Betrag  100, Radius 1, Detail 0

Damit erreicht man auch in Lightroom mehr als zufrieden stellende Ergebnisse. Zur Erinnerung – der Maskierenregler dient lediglich dazu, nur die relevanten (kontrasthaltigen) Bereiche zu schärfen und so beispielsweise Flächen vor dem Rauschen-durch-Schärfen zu schützen.

Allerdings schiele ich dennoch immer wieder auch zu Capture One und anderen RAW Entwickeln. Aber am Ende stelle ich immer wieder fest, dass es viele Funktionen in Lightroom gibt, die ich ungern aufgeben möchte. Auch wenn mich das leidige Thema Adobe Abo wirklich nervt.

Kurze Zeit nach der standesamtlichen Trauung habe ich mir dann günstig eine X-T20 mit Kit-Objetiv XC 16-50mm gekauft.  Und ab da ging alles sehr schnell – Festbrennweiten 23mm f1.4 und 56mm f1.2 dazugekauft und schwupps die kirchliche Trauung -zusammen mit E-M1 II- fotografiert. Beide Festbrenner haben sich bezahlt gemacht – ich hab wirklich wunderbare Fotos damit geschossen. Inzwischen habe ich massiv ausgebaut und auf zwei X-H1 und zwei X-T20 Bodies aufgestockt, sowie zahlreiche Linsen wie das 10-24mm, 15-45mm, 55-200mm, 100-400mm, 23mm f2, 50mm f2, 60mm Makro und 80mm Makro dazugekauft.

Alles in allem bin ich happy mit meinem Fuji Equipment. Den ganzen Hype um KB verstehe ich nach wie vor nicht. Ich sehe wenig bis gar keine Vorteile in den kleineren spiegellosen Bodies. Denn die Objektive bleiben einfach (zu) groß. Zumal die aktuelle Objektiventwicklung ohnehin zu größeren Linsen führt. Dazu gibt es übrigens eine interessante Interviewreihe auf YouTube mit Krolop und dem Objektivexperten Anders Uschold – auch wenn ich Krolop meist nervig finde. Herr Uschold machts mit seinem Wissen interessant.

Ich denke Fuji hat mit APS-C vieles richtig gemacht. An aller erster Stelle natürlich die Bedienung der Kameras. Und das Entscheidende, dass alle Objektive für APS-C gerechnet sind und nicht wie bei anderen Anbietern eigentlich KB Objektive sind und nur an APS-C adaptierbar. Dadurch bleiben die Objektive der Sensorgrösse angemessen klein. Da ich sehr viel Landschaft mache wäre ein konsequenter Schritt Fuji Mittelformat. Allerdings kommt dann auch wieder meine obligatorische Standardfrage ins Spiel – was mache ich denn wirklich mit meinen Bildern? Brauche ich das? Da muss man einfach offen zugeben, dass Mittelformat für meine Verwendungszwecke völlig überzogen ist. Genauso wie KB, aber eben auch APS-C. Denn für Veröffentlichungen auf der Webseite, ein bisschen bloggen und selbst große Ausdrucke bis zu A0, reicht mFT völlig! Letztlich war lediglich die kompliziertere Bedienung der Olympus für mich der Showstopper und der Grund zu Fuji zu wechseln. Mehr Format als mFT brauchts eigentlich wirklich (immer noch) nicht.