Olympus 150-400mm f4.5 – die Königin aller Supertele-Zoomobjektive

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Ich habe eine ganze Weile überlegt, ob ich der Überschrift des Artikels ein Fragezeichen hinzufügen soll oder nicht. Schlussendlich habe ich mich entschlossen es wegzulassen und das Fazit vorwegzunehmen. Ja das Olympus bzw. jetzt OM M.Zuiko Digital ED 150-400mm F4.5 TC1.25X IS PRO, wie es mit vollem Namen heißt, ist ohne jeden Zweifel die Königin aller Supertele-Zoom Objektive auf dem Markt (aktuell). Nach 30 Jahren Erfahrung als Sport- und Naturfotograf mit langen Tüten, sowie 4 Jahren Erfahrung mit dem 150-400, traue ich mir so ein kerniges Fazit zu.

Sowohl zu analogen als auch in der digitalen Ära habe ich mit einer Menge unterschiedlichen Tele-Objektiven von unterschiedlichen Herstellern gearbeitet. Darunter waren neben exzellenten Festbrennweiten wie 400mm f2.8 oder 600mm f4 auch immer wieder Zoomobjektive bei, die einzigartig waren. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an das 1993 vorgestellte legendäre Canon EF 35-350mm f3.5-5.6L Schiebe-Zoom. Mit 1,4 kg nicht federleicht, aber für die 90er Jahre sensationell. Mein damaliger Agenturchef hatte eins und ich habe es ab und an zu Sport-Reportagen mitgenommen, weil man quasi Alles in einem Objektiv hatte und die Bildqualität war gut bis sehr gut. Ein geniales Reporter-Objektiv, wovon ich gerne eine Neuauflage sehen würde.

Ebenfalls in Erinnerung geblieben ist mir auch das im Sommer 2013 eingeführte weltweit erste Super-Tele-Zoom mit eingebautem Extender, das Canon EF 200-400mm f4 L IS USM Extender 1.4x. Primär für Freiluft-Sportfotografen gedacht und eher weniger für Natur/Wildlife-Fotografen, da selbst mit Extender ein wenig zu kurz. Mit 3,6kg kein Leichtgewicht aber dafür extrem teuer. Denn für den Preis des 200-400mm gab es auch schon gebrauchte 600er oder ein neues 500 f4 mit besserer Bildqualität und mehr Brennweite.

Bei den Spiegellosen, leitete für meine Begriffe das 2018 vorgestellte Sony 200-600mm f5.6-6.3 eine neue Ära ein. Die Bildqualität, die dieses damals nur 2100 EUR teure Supertele-Zoom ablieferte, ist wirklich toll. Zudem ist es innenfokussiert und ändert damit seinen Schwerpunkt beim Zoomen praktisch nicht. Ich habe es immer noch selber im Schrank stehen und bin immer wieder beeindruckt, was dieses Glas für den inzwischen sogar noch massiv gesunkenen Preis, liefert. Ein wirklich preiswertes Super-Zoom mit hervorragenden Eigenschaften für Wildlife-Fotografen.

Olympus 150-400 f4.5 TC (links)

versus

Sony 200-600 f5.6-6.3 OSS (rechts)

Im Dezember 2020 kam dann das lange Zeit angekündigte Olympus 150-400 f4.5 tatsächlich auf den Markt. Einführungspreis 6999 EUR und trotzdem für fast 2 Jahre permanent ausverkauft. Inzwischen hat sich die Verfügbarkeit normalisiert aber die UVP ist sogar auf 7499 EUR angestiegen. Ein Grund ist sicher die massive Inflation aber ein anderer mit Sicherheit auch die weiterhin hohe Nachfrage. Denn gerade in den letzten Monaten fallen mir immer mehr „altbekannte“ Canon oder Nikon Wildlife-Fotografen in den Foren auf, die auf einmal mit dem 150-400 unterwegs sind. Und ich kann das sehr gut nachvollziehen.

Wer erstmal die Scheu vor dem kleinen Sensor überwunden und das 150-400 in der Praxis probiert hat, ist in den meisten Fällen freudig überrascht. Leicht, kompakt, perfekt ausbalanciert und offenblendig schon brutal scharf. Und natürlich die schiere Reichweite mit bis zu umgerechnet 1000mm Kleinbild Bildwinkel mit dem integrierten 1,25x Telekonverter. Allerdings lässt sich das 150-400 mittels der externen Telekonverter noch weiter „aufbohren“. Ich hielt das Anfangs für reines Marketinggeschwafel, bis ich dann selber Purpurreiher und Bienenfresser mit dem MC-14 angeflanscht bei 560mm (=1120mm KB) fotografiert habe.

Alternativtext

Purpurreiher im Sturzflug mit OM-1 MKI 150-400mm undMC-20 bei 560mm f6.3 ISO 800

Bienenfresser im Flug mit OM-1 MKI 150-400mm und MC-14 bei 560mm f6.3 ISO 640

Das wunderbare am 150-400 ist aber auch, dass es eine sehr kurze Naheinstellgrenze von nur 1,3m hat. Die Naheinstellgrenze bleibt auch mit allen Telekonvertern bestehen, dass bedeutet im Extremfall kommt man mit dem MC-20 auf maximal 1:2,8. Fast schon Makro Bereich.

Selbst kleinste Details löst das 150-400 hervorragend auf

Das Bokeh des 150-400 ist vor allen Dingen im Vergleich zur Festbrennweite M.Zuiko 300mm f4 doch deutlich weicher. Obwohl beide gleich 9 Blendenlamellen haben ist das 150-400 nicht so hart wie die Festbrennweite. Noch auffälliger wird das wenn man das M.Zuiko 40-150 f2.8 bei 150mm mit den 150mm beim 150-400 vergleicht. Das 150-400 hat einen optimalen Kompromiss zwischen brutaler Schärfe und dennoch weicher Schärfeabfall in den Hintergrund. Selbst bei für MFT schwierigen Situationen mit viel Gras oder Ästen im Hintergrund.

Junge Kanadagans auf dem Vormarsch bei 400mm f4.5 ISO 1000

Auch das Gegenlichtverhalten ist tadellos – selbst mit den Telekonvertern.

Sonnenaufgang bei 150mm f4.5 ISO 250

FAZIT

Seit Mitte 2022 benutze ich das 150-400 jetzt zuerst mit der OM-1 und inzwischen mir der OM-1 MKII. Es ist nach wie vor eine Freude das Objektiv in die Hand zu nehmen und damit loszuziehen. Für die enorme Reichweite und Flexibilität fühlt es sich federleicht an und liefert immer wieder traumhafte Ergebnisse. Es konzentriert die ganzen Vorteile von MFT in einem Objektiv:

  • Kompromisslose Bildqualität
  • Beste Stabilisierung
  • Enorme Reichweite
  • Hohe Mobilität durch geringes Gewicht
  • geringes Packmaß auf Reisen
  • Staub- und Wassergeschützt

Nach wie vor ist auch kein ähnlich gutes Objektiv auf dem Markt – weder für MFT noch für andere Sensorformate. Die von OM System zwischenzeitlich herausgebrachten Objektive wie das neue M.Zuiko 150-600mm f5-6.3 oder das aufgefrischte M.Zuiko 100-400II f5-6.3 kommen nicht an die Komplettleistung heran. Mein Sony 200-600 f5.6-6.3 stand auf verlorenem Posten und ich habe es schlussendlich vor kurzem verkauft. Für mich ist das M.Zuiko Digital ED 150-400mm F4.5 TC1.25X IS PRO aktuell immer noch die unangefochtene Königin der Super-Tele Zoomobjektive.

P.S.: Ich mag den Ausdruck „weiße Göttin“ nicht.

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